Nannorrhops ritchiana – Mazari-Palme
Die Nannorrhops ritchiana ist eine der außergewöhnlichsten Palmenarten der ariden Gebirgsregionen Pakistans, Irans und Afghanistans. Als xerophytische Art ist sie perfekt an extreme Temperaturamplitude und langanhaltende Dürreperioden angepasst. Charakteristisch ist ihr verzweigter, oft kriechender Wuchs und die silbrig-blaue Wachsschicht auf den ledrigen Fächerwedeln, die als Verdunstungsschutz dient (Gibbons & Spanner 1995). Botanisch wurde die Art durch William Griffith im 19. Jahrhundert beschrieben, wobei neuere Studien ihre phylogenetische Isolation innerhalb der Corypheae betonen (Dransfield et al. 2008). In ihrem Habitat ist sie oft die einzige verfügbare Faserquelle für die lokale Bevölkerung (Nasir & Ali 1972).
Standort und Pflanzung
Als extrem heliophile Art erfordert die Mazari-Palme den sonnigsten und heißesten verfügbaren Standort. Für eine erfolgreiche Kultur in Mitteleuropa ist die Simulation ihrer natürlichen Bodenverhältnisse entscheidend: Nährstoffarme, rein mineralische Substrate mit exzellenter vertikaler Drainage sind zwingend erforderlich (Stähler & Spanner 2007). Wie Analysen ihrer natürlichen Standorte in Belutschistan zeigen, toleriert sie hochgradig alkalische Böden und extreme Trockenheit (Nasir & Ali 1972). Eine Pflanzung im Freiland sollte nur an geschützten Südhängen oder in unmittelbarer Nähe zu wärmespeichernden Mauern erfolgen (Lötschert 2006).
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
In der Literatur wird die Frosttoleranz von Nannorrhops ritchiana oft kontrovers diskutiert; während sie trockene Kälte bis unter -15°C überstehen kann, reagiert sie extrem empfindlich auf winterliche Nässe (Gibbons & Spanner 1995). Ökophysiologisch ist das größte Risiko die Fäulnis des apikalen Meristems bei hoher Luftfeuchtigkeit in Kombination mit moderatem Frost (Larcher 2001). Ein absolut regendichter Winterschutz ist in Mitteleuropa daher unabdingbar. Es wird empfohlen, die Palme ab dem Spätherbst mit einem lichtdurchlässigen Regendach zu versehen, um das Substrat und das Herz der Pflanze vollständig trocken zu halten (Walther 2002).
Wachstum und Pflege
Das Wachstum der Mazari-Palme ist im Vergleich zu anderen Fächerpalmen ausgesprochen langsam und stark von der sommerlichen Wärmesumme abhängig. Eine Besonderheit ist die monokarpische Natur ihrer einzelnen Triebe: Nach der Blüte stirbt der blühende Trieb ab, während die Pflanze aus dem Rhizom neu austreibt (Dransfield et al. 2008). In der Pflege ist Zurückhaltung bei der Bewässerung oberstes Gebot; lediglich in extremen Hitzeperioden ist bei Kübelpflanzen eine Wassergabe sinnvoll (Gibbons 2003). Eine Düngung sollte nur sehr spärlich und kaliumbetont erfolgen, um die natürliche Stabilität der Zellwände zu fördern (Henderson et al. 1995).
Gestaltung und Einsatz im Garten
Aufgrund ihrer bizarren, oft mehrstämmigen Wuchsform und der markanten Blattfarbe wird Nannorrhops ritchiana als skulpturales Element in xerophytischen Gärten geschätzt. Sie bildet einen exzellenten Kontrast zu dunklen Hintergründen oder grüner Begleitvegetation. Besonders authentisch wirkt sie in Kombination mit anderen Wüstenbewohnern wie Agaven oder winterharten Opuntien. Da sie im Alter eine beträchtliche Breite einnehmen kann, sollte ihr von Beginn an ausreichend Raum zur Entfaltung eingeräumt werden.
Literatur
Dransfield, J. et al. (2008): Genera Palmarum. Kew Publishing.
Gibbons, M. & Spanner, T. W. (1995): In search of the Mazari Palm. In: Principes (IPS).
Gibbons, M. (2003): A Pocket Guide to Palms. Chartwell Books.
Henderson, A. et al. (1995): Field Guide to the Palms of the Americas. Princeton Uni. Press.
Larcher, W. (2001): Ökophysiologie der Pflanzen. Eugen Ulmer Verlag.
Lötschert, W. (2006): Palmen. Botanik, Kultur, Nutzung. Eugen Ulmer Verlag.
Nasir, E. & Ali, S. I. (1972): Flora of West Pakistan. University of Karachi.
Stähler, M. & Spanner, T. W. (2007): Winterharte Palmen. Medemia Verlag.
Walther, G. R. (2002): Weakening of climatic constraints. In: Folia Geobotanica.