Mediterrangarten Chemnitz-Euba (1999 - jetzt)


Eine Chance für wärmeliebende Pflanzen am Erzgebirgsnordrand

Der Umzug meiner Eltern im Jahr 1996 von Chemnitz-Adelsberg nach Chemnitz-Euba markierte den Beginn eines bemerkenswerten botanischen Experiments am Nordrand des Erzgebirges. Die Lage im klimabegünstigten Flöha-Becken bietet spezifische mikroklimatische Vorteile, die sich von der weitere Umgebung abheben: Ein steiler Südwest-Oberhang sorgt für maximale Sonneneinstrahlung, während die flachgründigen, grobbodenreichen Böden auf Tonschiefer Wärme hervorragend speichern und Staunässe verhindern. Diese Bedingungen ermöglichten den radikalen Abschied von der klassischen Fichte, die den Garten zu Beginn der Neunziger Jahre dominierte, und die Hinwendung zu einer Flora, die normalerweise in deutlich südlicheren Breitengraden beheimatet ist. Die exotischen Pflanzen integrieren sich dabei aber lückenlos in die ebenfalls bestehende und gepflanzte heimische Flora, die sich aus Stiel-Eichen, Rotbuchen, Haselnuß, Holunder, Obstbäumen sowie Halbtrockenrasen zusammensetzt.

Vom Winterschutz zur natürlichen Verjüngung

Während Neuanpflanzungen Anfang der 2000er-Jahre noch aufwendig geschützt werden mussten und dennoch oft zurückfroren, hat sich das Bild durch die klimatische Erwärmung und die Akklimatisation der Bestände gewandelt. Heute gedeihen selbst frostempfindliche Exoten ohne Schutzmaßnahmen. Besonders beeindruckend zeigt sich dies bei den Vertretern des mediterranen Raums und Südeuropas: Die Stein-Eichen (Quercus ilex) haben bereits eine stattliche Höhe von 6 Metern erreicht und säen sich mittlerweile sogar selbst aus. Die Echten Feigen (Ficus carica) liefern zuverlässig zwei Ernten pro Jahr, während Mittelmeer-Zypressen (Cupressus sempervirens), Pinien (Pinus pinea) und der Granatapfel (Punica granatum) den Garten bereichern. Ergänzt wird diese Gruppe durch den Pontischen Seidelbast (Daphne pontica), den Stechenden Mäusedorn (Ruscus aculeatus) und den leuchtend gelb blühenden Priemenginster (Spartium junceum).

Ein globales Sortiment

Neben den Mittelmeer-Klassikern haben sich zahlreiche Arten aus Nordamerika fest etabliert, die eine hohe strukturelle Beständigkeit mitbringen. Dazu zählen der Kalifornische Lorbeer (Umbellularia californica), die frostharte Arizona-Zypresse (Cupressus arizonica) sowie verschiedene Arten der Palmlilie (Yucca spp.) und des Feigenkaktus (Opuntia spp.), die mit der Trockenheit des Hangs bestens zurechtkommen.

Aus den feuchteren, aber warmen Regionen Ostasiens fanden die Japanische Kamelie (Camelia japonica), die Japanische Aukube (Aucuba japonica), die Stein-Eibe (Podocarpus macrophyllus) und die Immergrüne Ölweide (Elaeagnus ebbingei) ihren Platz im Garten, wo sie die geschützte Lage des Flöha-Beckens genießen. Abgerundet wird das Sortiment durch Vertreter aus Südosteuropa und Westasien, wie der robusten Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) und dem Portugisischen Kirschlorbeer (Prunus lusitanica).

Dieses Refugium in Euba zeigt eindrucksvoll, wie sich die Grenzen des Gartenbaus in Sachsen verschoben haben – von der einstigen Notwendigkeit des Winterschutzes hin zu einem sich selbst erhaltenden, fast mediterranen Ökosystem.


  • Ansicht des Steingartens mit Yuccapalmen und Kakteen in Euba
    Steingarten mit Yuccapalmen und Kakteen
  • Ansicht der Streuobstwiese mit Halbtrockenrasen auf dem steilen Südwesthang
    Streuobstwiese mit Halbtrockenrasen auf dem steilen Südwesthang
  • Das Bild zeigt einen Pfriemenginster in einer mediterranen Hangbepflanzung. Seine Blüten sind gelb.
    Pfriemenginster in einer mediterranen Hangbepflanzung
  • Auf dem Bild wird ein ausgetrockneter Halbtrockenrasen gezeigt. Im Hintergrund befindet sich der Steingarten.
    Halbtrockenrasen mit Blick zum Steingarten
  • Im Bild wird eine immergrüne Hangbepflanzung mit Stein-Eiche, Portugiesischem Kirschlorbeer und Kirschlorbeer gezeigt.
    Immergrüne Hangbepflanzung aus Stein-Eiche, Portugiesischem Kirschlorbeer und Lorbeerkirsche
  • Das Bild zeigt 2006 gesetzte Exemplare der Stein-Eiche in einer Hangbepflanzung.
    2006 gesetzte Exemplare der Stein-Eiche in einer Hangbepflanzung
  • Das Bild zeigt Samen der mediterranen Stein-Eiche. Es sind dunkelbraune Eicheln.
    Samen der mediterranen Stein-Eiche
  • Das Bild zeigt eine kleine Stein-Eiche als Naturverjüngung in einem Kirschlorbeerbestand.
    Naturverjüngung der Stein-Eiche in einem Kirschlorbeerbestand
  • Das Bild zeigt eine große, blaugraue und extrem trockenheitsresistente Arizona-Zypresse.
    Die extrem trockenheitsresistente Arizona-Zypresse
  • Das Bild zeigt eine kleine hellgrüne Mittelmeer-Pinie an einem sehr trockenen Standort im Garten.
    Mittelmeer-Pinie an einem sehr trockenen Standort im Garten
  • Das Bild zeigt Blätter der frostresistenten langblättrigen Form des Kalifornischen Berglorbeers. Die Blätter sehen aus wie beim Oleander
    Die frostresistente langblättrige Form des Kalifornischen Berglorbeers
  • Das Bild zeigt eine naturnahe Hangbepflanzung mit Feige, Steineiche und Pontischem Seidelbast.
    Naturnahe Hangbepflanzung mit Feige, Steineiche und Pontischem Seidelbast
  • Das Bild zeigt einen kleinen Mäusedornstrauch im Steingarten in der Sonne.
    Der Mäusedorn fühlt sich im Steingarten wohl
  • Das Bild zeigt eine hohe Mittelmeerzypresse.
    Die einzige Mittelmeerzypresse, die den Winter 2010 überlebt hat