Laurus nobilis – Echter Lorbeer
Laurus nobilis ist ein diözischer, immergrüner Baum und ein prominentes Relikt der tertiären Lorbeerwälder des Mittelmeerraums. Seine Hartlaubigkeit (Sklerophyllie) ist eine funktionelle Anpassung, die eine hohe mechanische Stabilität der Blätter mit einer effizienten Kontrolle des Wasserhaushalts kombiniert (Tuba et al. 2009). Ökophysiologisch zeichnet sich die Art durch eine bemerkenswerte Kapazität zur Kohlenstofffixierung bei moderaten Temperaturen aus, was sie in ihrem natürlichen Habitat, den schattigen und luftfeuchten Tälern, konkurrenzstark macht (Navaro et al. 2004). Botanisch wurde die Art von Linnaeus 1753 erstbeschrieben und gilt heute als eine der kulturell bedeutendsten Pflanzen der europäischen Geschichte.
Standort und Pflanzung
Obwohl Laurus nobilis eine hohe Schattenverträglichkeit besitzt, entwickeln frei stehende Exemplare an sonnigen Standorten eine kompaktere Krone und eine dickere Cuticula, was die Widerstandsfähigkeit erhöht (Larcher 2001). Für eine erfolgreiche Etablierung im Freiland sind tiefgründige, humusreiche und vor allem gut drainierte Böden essenziell. Staunässe führt unweigerlich zu Wurzelfäulnis durch Phytophthora-Arten, weshalb mineralische Zuschlagstoffe bei schweren Böden ratsam sind (Gullino et al. 2010). Eine Pflanzung sollte im Frühjahr erfolgen, um eine ausreichende Durchwurzelung vor dem ersten Winter zu gewährleisten.
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Die Frosthärte von Laurus nobilis ist stark vom Akzident (Herkunft) und dem Grad der Abhärtung abhängig. Während kurzzeitige Minima von -10°C bis -12°C oft schadlos toleriert werden, führen langanhaltende Frostperioden in Kombination mit Wintersonne zu Frosttrocknis (Desikkation) (Stähler & Spanner 2007). In Mitteleuropa ist ein Schutz durch Vlies oder Schattierung bei Kahlfrost sowie ein massiver Mulchschutz für den Wurzelballen dringend empfohlen. Physiologische Studien zeigen, dass das Blattgewebe bei Temperaturen unter -15°C irreversible Schäden an den Photosystemen erleidet (Navaro et al. 2004).
Wachstum und Pflege
Der Echte Lorbeer weist ein moderates bis starkes Wachstum auf, insbesondere wenn die Wasserversorgung in den Sommermonaten konstant bleibt. Die Art ist extrem schnittverträglich, was auf die hohe Dichte an schlafenden Augen (proventive Knospen) zurückzuführen ist (Pignatti 1982). Eine ausgewogene Düngung mit einem Fokus auf Stickstoff und Magnesium fördert das glänzend dunkle Laub. Bei Kübelpflanzen ist auf eine regelmäßige Kontrolle gegenüber Schildläusen und dem Lorbeerblattfloh zu achten, die vor allem in stressbelasteten Phasen auftreten (Gullino et al. 2010).
Gestaltung und Einsatz im Garten
In der Gartenarchitektur wird Laurus nobilis sowohl als streng formale Topiary-Pflanze (Kegel, Kugeln, Hochstämme) als auch als frei wachsende Sichtschutzhecke geschätzt. Durch sein dichtes Blattwerk bietet er einen hervorragenden Hintergrund für helllaubige oder blühende Stauden. In milden Lagen Südhessens oder des Rheinlands lässt sich mit ihm ein authentisches mediterranes Flair erzeugen, besonders in Kombination mit Steinarchitektur oder klassischen Terracotta-Elementen.
Literatur
Gullino, M. L. et al. (2010): Mediterranean Cities: Managing Biotic and Abiotic Stress in the Urban Environment. Springer.
Larcher, W. (2001): Ökophysiologie der Pflanzen. Eugen Ulmer Verlag.
Linnaeus, C. (1753): Species Plantarum. Vol. 1. [Erstbeschreibung]
Navaro, A. et al. (2004): Effect of water stress on gas exchange in Laurus nobilis L. In: Photosynthetica. Vol. 42.
Pignatti, S. (1982): Flora d'Italia. Edagricole.
Stähler, M. & Spanner, T. W. (2007): Winterharte Palmen und Exoten. Medemia Verlag.
Tuba, Z. et al. (2009): Plant Responses to Drought Stress: From Morphological to Molecular Features. In: Photosynthetica. Vol. 47.
Walther, G. R. (2002): Weakening of climatic constraints with global warming and its consequences for evergreen broad-leaved species. In: Folia Geobotanica.