Jubaea chilensis – Chilenische Honigpalme
Die Jubaea chilensis ist der massivste Vertreter der Arecaceae und ein Endemit der chilenischen Matorral-Region. Ihr monotypisches Taxon zeichnet sich durch einen säulenartigen Stamm aus, der einen Durchmesser von bis zu zwei Metern erreichen kann (Henderson et al. 1995). Die Art ist bekannt für ihren zuckerhaltigen Saft, aus dem der traditionelle Palmhonig gewonnen wird – eine Nutzung, die im 19. Jahrhundert zu einer drastischen Dezimierung der Bestände führte und die Art heute unter strengen Schutz stellt (González et al. 2009). Ökologisch ist sie hervorragend an das mediterrane Klima Zentralchiles angepasst, wobei ihre dicke Borke Schutz gegen die im Habitat häufigen Buschfeuer bietet (Grau 2004).
Standort und Pflanzung
Jubaea chilensis bevorzugt vollsonnige Standorte mit einer hohen Lichtintensität. Obwohl sie an ein trockenes Klima angepasst ist, belegen Studien an natürlichen Standorten, dass sie tiefgründige, gut drainierte Böden mit Zugang zu moderater Bodenfeuchtigkeit benötigt (Grau 2004). Für eine erfolgreiche Etablierung in Mitteleuropa ist die Vermeidung von Staunässe im Winter essenziell. Ein Substratgemisch mit hohem mineralischem Anteil, wie es auch für andere xerophytische Palmen empfohlen wird, hat sich bewährt (Stähler & Spanner 2007). Aufgrund ihrer Pfahlwurzel sollte die Pflanzung möglichst früh an einem endgültigen Standort erfolgen.
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Die Honigpalme gilt als eine der kälteresistentesten Fiederpalmen weltweit. Etablierte Exemplare können kurzzeitige Frostereignisse von bis zu -12°C bis -15°C überstehen (Stähler & Spanner 2007). Das ökophysiologische Hauptrisiko in Mitteleuropa ist jedoch die fehlende sommerliche Wärmesumme zur Gewebeausreife sowie die Winterfeuchtigkeit, die zu Infektionen im Vegetationskegel führen kann. Ein passiver Winterschutz in Form eines Regendaches und die Isolierung des Stammes bei langanhaltendem Frost gelten als Standard zur Schadensprävention (Walther 2002). Untersuchungen zeigen, dass Frostschäden an den Fiedern meist erst ab -9°C einsetzen (Larcher 2001).
Wachstum und Pflege
Das Wachstum der Jubaea chilensis ist insbesondere in der Jugendphase extrem langsam. Es dauert oft Jahrzehnte, bis die Palme einen sichtbaren Stamm ausbildet (González et al. 2009). Während der Etablierung liegt der Fokus auf der Ausbildung der massiven Wurzelbasis. Eine kaliumbetonte Düngung im Spätsommer wird empfohlen, um die Frosthärte des Gewebes zu optimieren (Lötschert 2006). Trotz ihrer Trockenheitstoleranz ist regelmäßiges Gießen in heißen Sommern notwendig, um das ohnehin langsame Wachstum nicht vollständig zu stagnieren. Staunässe muss jedoch ganzjährig strikt vermieden werden.
Gestaltung und Einsatz im Garten
Aufgrund ihrer monumentalen Statur und der grauen, elefantenfußähnlichen Rinde wird die Jubaea chilensis als architektonisches Highlight in der Gartenkunst geschätzt. Sie eignet sich hervorragend als Solitärpflanze in großen Gärten oder Parkanlagen. In Kombination mit niedrigen Sukkulenten oder winterharten Gräsern entfaltet sie eine skulpturale Wirkung. Aufgrund der Seltenheit und des langsamen Wachstums ist sie zudem ein hochgeschätztes Sammlerobjekt im Bereich der mediterranen Gartengestaltung.
Literatur
González, L. A. et al. (2009): Regeneration and population structure of Jubaea chilensis. In: Revista Chilena de Historia Natural.
Grau, J. (2004): Palms of Chile. In: Botanical Journal of the Linnean Society.
Henderson, A. et al. (1995): Field Guide to the Palms of the Americas. Princeton Uni. Press.
Larcher, W. (2001): Ökophysiologie der Pflanzen. Eugen Ulmer Verlag.
Lötschert, W. (2006): Palmen. Botanik, Kultur, Nutzung. Eugen Ulmer Verlag.
Stähler, M. & Spanner, T. W. (2007): Winterharte Palmen. Medemia Verlag.
Walther, G. R. (2002): Landscapes in flux. In: Gazette of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Zonneveld, B. J. M. (2002): Genome size in Palms. In: Annals of Botany.