Fraxinus ornus – Blumen-Esche
Fraxinus ornus, auch als Manna-Esche bekannt, ist ein thermophiler Laubbaum des submediterranen Raums. Im Gegensatz zur einheimischen Fraxinus excelsior zeigt sie eine deutlich höhere Resilienz gegenüber hydrologischem Stress, was auf ein effizientes stomatäres Regulationssystem und eine spezifische Xylem-Anatomie zurückzuführen ist (Tognetti et al. 1995). Die Art ist besonders für ihre entomophile Bestäubung bekannt, wobei die auffälligen weißen Blütenstände im späten Frühjahr eine wichtige ökologische Nische für Bestäuber besetzen (Wallander 2008). Die Gewinnung von Manna-Zucker aus dem Phloemsaft stellt zudem eine historisch bedeutsame ökonomische Nutzung dar, die die physiologische Besonderheit des Saftflusses unter Trockenstress unterstreicht.
Standort und Pflanzung
Fraxinus ornus gilt als ausgesprochen kalktolerant und besiedelt natürlicherweise oft flachgründige, skelettreiche Karststandorte. Ökophysiologische Vergleichsstudien belegen, dass die Art im Vergleich zu anderen europäischen Eschenarten eine geringere Vulnerabilität gegenüber Kavitation aufweist, was sie für trocken-heiße Standorte prädestiniert (Villar-Salvador et al. 1997). Bei der Pflanzung in Mitteleuropa sollte auf eine gute Lichtexposition geachtet werden, da die Art als Lichtbaumart empfindlich auf übermäßigen Konkurrenzdruck reagiert. Sie toleriert Stadtklima und industrielle Immissionen außerordentlich gut, was sie zu einem idealen Straßenbaum der Zukunft macht (Larcher 2001).
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Die Winterhärte der Blumen-Esche wird für etablierte Exemplare als sehr gut eingestuft, wobei Temperaturen bis zu -20°C (USDA Zone 6) meist ohne nennenswerte Kambiumschäden toleriert werden (Roloff et al. 2008). Dennoch zeigen Untersuchungen zur Frost-Dehydrierung, dass junge Triebe bei abrupten Spätfrösten empfindlich reagieren können. Ein signifikanter Vorteil gegenüber der Gemeinen Esche ist die hohe Resistenz gegenüber dem Eschentriebsterben (Hymenoscyphus fraxineus), was ökologisch durch spezifische sekundäre Inhaltsstoffe in der Rinde begründet wird (Kirisits & Freinschlag 2012). Besondere Schutzmaßnahmen sind in den meisten Lagen Südhessens nach der Etablierungsphase nicht erforderlich.
Wachstum und Pflege
Das Wachstum ist in der Jugendphase moderat und führt zur Ausbildung einer rundlichen, oft mehrstämmigen Krone. Ein wesentlicher Aspekt der Pflege ist die Überwachung des Wasserhaushalts in den ersten zwei Standjahren; einmal etabliert, gilt die Art als extrem trockenheitsresistent. Die Physiologie der Manna-Esche ermöglicht es ihr, auch bei sinkenden Blattwasserpotentialen die Photosyntheseraten stabil zu halten (Tognetti et al. 1995). Ein Erziehungsschnitt ist bei Verwendung als Straßenbaum im Jugendstadium zur Kronenaufastung notwendig, da die Art naturgemäß zur Verzweigung in geringer Höhe neigt (Pignatti 1982).
Gestaltung und Einsatz im Garten
In der Landschaftsplanung wird Fraxinus ornus primär wegen ihres hohen Zierwerts und ihrer Klimaresilienz eingesetzt. Die leuchtend gelbe bis purpurrote Herbstfärbung bietet einen starken visuellen Kontrast in Parkanlagen. Als Solitärbaum eignet sie sich hervorragend für mittelgroße Gärten, in denen sie aufgrund ihrer moderaten Endhöhe (ca. 8-12 m) den Raum nicht dominiert. In Kombination mit submediterranen Begleitern wie Quercus pubescens oder Sorbus torminalis lassen sich ökologisch wertvolle und klimastabile Waldrandstrukturen schaffen, wie sie im SHOP-Projekt angestrebt werden.
Literatur
Kirisits, T. & Freinschlag, C. (2012): Ash dieback caused by Hymenoscyphus pseudoalbidus in a seed orchard of Fraxinus ornus. In: Journal of Agricultural Extension and Rural Development.
Larcher, W. (2001): Ökophysiologie der Pflanzen. Eugen Ulmer Verlag.
Pignatti, S. (1982): Flora d'Italia. Edagricole.
Roloff, A. et al. (2008): Klima-Arten-Matrix für Stadtbäume. In: BDB-Handbuch.
Tognetti, R. et al. (1995): Gas exchange and relative humidity responses of Fraxinus ornus and Quercus pubescens. In: Plant, Cell & Environment.
Villar-Salvador, P. et al. (1997): Xylem hydraulic architecture in five Mediterranean woody species. In: Tree Physiology.
Wallander, E. (2008): Systematics of Fraxinus (Oleaceae) and evolution of dioecy. In: Plant Systematics and Evolution.
Walther, G. R. (2002): Weakening of climatic constraints. In: Folia Geobotanica.