Cylindropuntia imbricata – Baum-Cholla
Cylindropuntia imbricata, oft als "Baum-Cholla" / "Tree Cholla" bezeichnet, ist einer der robustesten Vertreter der Cactaceae Nordamerikas. Ihre weite Verbreitung von den High Plains bis in die Chihuahua-Wüste verdeutlicht ihre enorme ökologische Plastizität. Charakteristisch sind die zylindrischen, stark gehöckerten Glieder, deren Morphologie namensgebend (lat. imbricatus = dachziegelartig) wirkt. Physiologische Studien belegen, dass die Art durch die Akkumulation von osmotisch aktiven Substanzen wie Saccharose und Prolin extreme Frosthärten erreicht (Nobel 1988). Botanisch wurde sie bereits früh durch George Engelmann beschrieben, wobei moderne phylogenetische Analysen ihre Stellung innerhalb der Unterfamilie Opuntioideae festigten (Pinkava 2003).
Standort und Pflanzung
Für eine erfolgreiche Kultur ist ein vollsonniger Standort mit südlicher Ausrichtung essenziell, um die notwendige Wärmeakkumulation für die Ausreife der Triebe zu gewährleisten. Die Ansprüche an das Substrat sind primär durch die Notwendigkeit einer schnellen Entwässerung definiert. Wie Untersuchungen zu xerophytischen Sukkulenten zeigen, ist eine mineralische Zusammensetzung mit minimalem Humusanteil ideal, um Wurzelhalsfäule vorzubeugen (Benson 1982). In Mitteleuropa empfiehlt sich die Pflanzung in einem Hochbeet oder auf einer Kiesanschüttung, um den lateralen Wasserabzug zu optimieren (Kümmel & Heyeyer 1991).
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Cylindropuntia imbricata gilt als eine der winterhärtesten Kakteenarten; gut etablierte Exemplare tolerieren Temperaturen von bis zu -25°C bis -30°C (Reich 2005). Die größte Gefahr im mitteleuropäischen Winter ist jedoch nicht die absolute Kälte, sondern die "Winterfeuchte". Physiologisch reagiert die Pflanze auf Frost mit einem gezielten Wasserverlust der Zellen, was zu einem typischen Erschlaffen der Glieder führt (Boyle & Nobel 1985). Ein Schutz gegen direkten Niederschlag ist in niederschlagsreichen Regionen dringend anzuraten, um die gefürchtete Kombination aus Frost und persistenter Nässe zu vermeiden (Suleiman et al. 2011).
Wachstum und Pflege
Das Wachstum ist bei optimaler Nährstoffversorgung und Wärme im Sommer für einen Kaktus beachtlich. In der Etablierungsphase bildet die Pflanze ein weitreichendes Flachwurzelsystem aus, das zur effizienten Aufnahme von Oberflächenwasser befähigt (Nobel 1988). Eine moderate Düngung mit stickstoffarmen, aber phosphor- und kaliumreichen Düngern fördert die Festigkeit des Gewebes und die Blüteninduktion im Frühjahr. Ein Rückschnitt ist morphologisch unproblematisch, da die Pflanze bereitwillig aus den Areolen neu austreibt (Friedrich 2001).
Gestaltung und Einsatz im Garten
Durch ihre baumartige Struktur und die im Frühsommer erscheinenden, magenta-violetten Blüten ist sie ein architektonisches Highlight in jedem Xeriscape-Garten. Sie eignet sich hervorragend als Hintergrundbepflanzung in Steingärten oder Präriebeeten. Besonders attraktiv ist die Kombination mit silbrigen Begleitpflanzen wie Artemisia oder trockenheitsresistenten Gräsern (z.B. Nassella tenuissima), die die skulpturale Form der Cholla unterstreichen.
Literatur
Benson, L. (1982): The Cacti of the United States and Canada. Stanford University Press.
Boyle, A. G. & Nobel, P. S. (1985): Freezing Tolerance and Water Relations of Opuntia. In: Plant Physiology.
Friedrich, G. (2001): Handbuch der Kakteen. Eugen Ulmer Verlag.
Kümmel, F. & Heyeyer, R. (1991): Kakteen. Urania Verlag.
Nobel, P. S. (1988): Environmental Biology of Agaves and Cacti. Cambridge University Press.
Pinkava, D. J. (2003): Flora of North America: Cactaceae. Vol. 4. Oxford University Press.
Reich, L. (2005): Cold-Hardy Fruits and Cacti. In: Fine Gardening Magazine.
Suleiman, M. K. et al. (2011): Effects of substrate on survival of desert plants. In: African Journal of Biotech.