Phoenix canariensis – Kanarische Dattelpalme
Die Phoenix canariensis ist ein Endemit der Kanarischen Inseln und gilt als einer der majestätischsten Vertreter der Arecaceae. Sie zeichnet sich durch einen massiven solitären Stamm und eine dichte Krone aus bis zu 200 Wedeln aus (Dransfield et al. 2008). In Europa zeigt sich eine Verschiebung der hortikulturellen Grenzen: Durch die Klimaerwärmung wird die Art zunehmend in Regionen kultiviert, die früher als ungeeignet galten. Dieser Prozess der Nordwanderung wird oft als Teil der globalen Laurophyllisierung beschrieben (Walther 2002; 2003).
Standort und Pflanzung
Die Kanarische Dattelpalme benötigt vollsonnige Standorte und tiefgründige, nährstoffreiche Substrate. Eine Besonderheit sind die zu harten Dornen (Akanthophyllen) umgewandelten unteren Fiedern (Uhl & Dransfield 1987). Bei der Pflanzung muss ausreichend Raum für das massive Wurzelsystem eingeplant werden. In Kübelkultur ist ein schweres Gefäß wichtig, um die Standfestigkeit bei Wind zu gewährleisten (Lötschert 2006).
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Die Frosttoleranz adulter Exemplare liegt bei etwa -6°C bis -8°C (Stähler & Spanner 2007). Das Hauptrisiko ist die Kombination aus hoher Luftfeuchtigkeit und Frost, was Pilzinfektionen am Meristem begünstigt. Ein Winterschutz ist ab Temperaturen von unter -5°C zwingend erforderlich. Hierbei hat sich das Zusammenbinden der Wedel und eine Umhüllung mit Vlies bewährt, um das Herz vor Nässe und Erfrieren zu schützen (Larcher 2001; Walther 2002b).
Wachstum und Pflege
Unter optimalen Bedingungen weist diese Palme eine hohe Wachstumsrate auf. Die Früchte sind gelb-orangefarben, besitzen aber kaum Fleischanteil (Henderson et al. 1995). Ein kritischer Faktor ist der Befall durch den Roten Palmenrüssler, der zunehmend auch nördlichere Breiten erreicht (Gomez & Ferry 1999). Regelmäßige Düngung und reichliches Gießen im Sommer sind für ein gesundes Blattwerk unerlässlich (Lötschert 2006).
Gestaltung und Einsatz im Garten
Aufgrund ihres enormen Platzbedarfs wird die Kanarische Dattelpalme primär als Solitärpflanze eingesetzt. Sie vermittelt wie kaum eine andere Pflanze einen tropischen Habitus. In kühleren Regionen ist sie die klassische Orangeriepflanze für Terrassen und Alleen. Ihr architektonischer Wert liegt in der symmetrischen Anordnung der Blattbasen am massiven Stamm.
Literatur
Dransfield, J. et al. (2008): Genera Palmarum. Kew Publishing.
Gomez, S. & Ferry, M. (1999): The Red Palm Weevil. In: Phoenix (IPS).
Henderson, A. et al. (1995): Field Guide to the Palms of the Americas. Princeton Uni. Press.
Larcher, W. (2001): Ökophysiologie der Pflanzen. Eugen Ulmer Verlag.
Lötschert, W. (2006): Palmen. Botanik, Kultur, Nutzung. Eugen Ulmer Verlag.
Stähler, M. & Spanner, T. W. (2007): Winterharte Palmen. Medemia Verlag.
Uhl, N. W. & Dransfield, J. (1987): Genera Palmarum. Allen Press.
Walther, G. R. et al. (2002): Ecological responses to climate change. In: Nature.
Walther, G. R. (2002b): Weakening of climatic constraints. In: Folia Geobotanica.
Walther, G. R. (2003): Plants in a warmer world. In: PPEES.