Washingtonia robusta – Petticoat-Palme
Die Washingtonia robusta, auch als Mexikanische Washington-Palme bekannt, stammt ursprünglich aus den Schluchten und Oasen der Sonora-Wüste in Mexiko. Im Gegensatz zu ihrer Schwesterart W. filifera zeichnet sie sich durch einen deutlich schlankeren Stamm und ein schnelleres Höhenwachstum aus, wobei sie in ihrem Habitat Höhen von über 30 Metern erreichen kann (Henderson et al. 1995). Botanisch wurde sie von Hermann Wendland erstbeschrieben, der die morphologische Abgrenzung durch die rötlich-braune Basis der Blattstiele (Petiolen) präzisierte (Wendland 1879). Ökologisch dient die verbleibende 'Skirt' aus abgestorbenen Blättern als Habitat für Vögel und Insekten, schützt jedoch primär den Stamm vor intensiver solarer Einstrahlung (Cornett 1986).
Standort und Pflanzung
Als heliophile und opportunistische Art besiedelt Washingtonia robusta Standorte mit hoher Lichtintensität und profitiert massiv von einer ganzjährigen Bodenfeuchte (Epling & Robison 1940). Für die Kultur in Mitteleuropa ist ein vollsonniger, windgeschützter Platz ideal. Obwohl sie gegenüber verschiedenen Bodentypen tolerant ist, begünstigt ein nährstoffreiches, aber gut durchlässiges Substrat das rasche Wachstum. Standortanalysen zeigen, dass sie im Vergleich zu W. filifera eine höhere Toleranz gegenüber humiden Bedingungen besitzt, jedoch empfindlicher auf langanhaltende Staunässe im Wurzelbereich reagiert (Gibbons & Spanner 1994).
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Die Frosttoleranz von Washingtonia robusta ist geringer als die der W. filifera und wird in der Fachliteratur für etablierte Exemplare meist im Bereich von -6°C bis -8°C angegeben (Stähler & Spanner 2007). Physiologisch ist das Hauptrisiko der frühe Verlust der Blattmasse bei Frostereignissen, was die Regenerationsfähigkeit im Frühjahr einschränkt (Larcher 2005). Ein passiver Winterschutz, bestehend aus einem trockenen Vlies und einer Regenschutzhaube für den Vegetationskegel, ist in Mitteleuropa zwingend erforderlich. Bei tieferen Temperaturen ist eine Zusatzheizung (Heizkabel) oft unumgänglich, da die Art eine geringe Kapazität zur Kälteakklimatisation besitzt (Walther 2002).
Wachstum und Pflege
Washingtonia robusta gilt als eine der am schnellsten wachsenden Palmen weltweit. Unter optimalen thermischen Bedingungen können junge Palmen bis zu einem Meter Stammzuwachs pro Jahr erreichen (Lötschert 2006). Zur Unterstützung dieses Wachstums ist eine regelmäßige Düngung mit einem ausgewogenen Stickstoff-Kalium-Verhältnis notwendig. Da die Art in Kübeln schnell an ihre Grenzen stößt (Platzmangel für das Wurzelwerk), ist ein regelmäßiges Umtopfen oder eine Pflanzung in sehr große Gefäße erforderlich. Ein Rückschnitt der Blätter sollte nur bei vollständiger Vertrocknung erfolgen, um die Energiereserven der Pflanze nicht unnötig zu schwächen (Cornett 1986).
Gestaltung und Einsatz im Garten
Aufgrund ihres extrem schnellen Wachstums und des architektonischen, schlanken Wuchses wird Washingtonia robusta weltweit zur Alleenbildung und als vertikales Element in der Landschaftsarchitektur eingesetzt. Im privaten Garten bildet sie durch ihre Größe schnell einen imposanten Blickfang. In kühleren Klimaten ist sie die klassische 'Event-Palme' für die Kübelhaltung auf großen Plätzen, wobei ihre Windresistenz gegenüber stürmischen Wetterlagen an Küstenstandorten besonders hervorzuheben ist.
Literatur
Cornett, J. W. (1986): The Desert Fan Palm. In: Nature Conservancy Magazine.
Epling, C. & Robison, W. (1940): The Distribution of the Native Washingtonia Palms. In: American Journal of Botany.
Gibbons, M. & Spanner, T. W. (1994): The Genus Washingtonia. In: Principes (IPS).
Henderson, A. et al. (1995): Field Guide to the Palms of the Americas. Princeton Uni. Press.
Larcher, W. (2005): Physiological Plant Ecology. Springer Verlag.
Lötschert, W. (2006): Palmen. Botanik, Kultur, Nutzung. Eugen Ulmer Verlag.
Stähler, M. & Spanner, T. W. (2007): Winterharte Palmen. Medemia Verlag.
Walther, G. R. (2002): Landscapes in flux. In: Gazette of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Wendland, H. (1879): Über Washingtonia robusta. In: Botanische Zeitung.