Prunus lusitanica – Portugiesischer Kirschlorbeer
Prunus lusitanica, ein markanter Vertreter der Rosaceae, ist ein immergrüner Baum oder Strauch, dessen natürliches Verbreitungsgebiet sich von der Iberischen Halbinsel bis zu den Azoren und Madeira erstreckt. Im Gegensatz zum häufigeren Prunus laurocerasus zeichnet sich diese Art durch eine höhere Toleranz gegenüber winterlicher Trockenheit und eine charakteristische rötliche Färbung der Blattstiele aus. Die Evolution dieser Art in den "Laurisilva"-Wäldern der makaronesischen Inseln und den feuchten Gebirgszügen Spaniens hat zu einer spezifischen Anpassung an ozeanisch geprägte Klimata geführt (Kunkel 1992). Botanisch wurde die Art bereits von Linné beschrieben, wobei moderne phylogenetische Studien ihre Stellung innerhalb der Untergattung Cerasus festigten (Shi et al. 2013).
Standort und Pflanzung
Obwohl Prunus lusitanica als schattentolerant gilt, erreicht sie ihre optimale Morphologie an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Die Art ist bezüglich des Boden-pH-Wertes recht flexibel, bevorzugt jedoch tiefgründige, gut drainierte Substrate, da sie empfindlich auf extreme Bodenverdichtung reagiert (Dirr 2009). In mitteleuropäischen Gärten ist die Wahl eines vor austrocknenden Ostwinden geschützten Standortes entscheidend, um physiologischen Trockenstress im Winter zu minimieren. Eine Pflanzung im Frühjahr wird empfohlen, um eine ausreichende Wurzelbildung vor der ersten Frostperiode zu gewährleisten (Krüssmann 1978).
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Die Frosttoleranz von Prunus lusitanica wird in der Fachliteratur oft mit der USDA-Zone 7 angegeben, was Temperaturen bis ca. -15°C entspricht (Rolando 2012). Kritisch ist jedoch nicht allein die absolute Kälte, sondern die Winter-Photoinhibition und die daraus resultierende Transpirationsbelastung bei gefrorenem Boden. Studien zur Frosthärte zeigen, dass die Pflanze durch Akzeleration (Abhärtung) im Spätherbst ihre Zellmembranen stabilisiert (Larcher 2001). Ein passiver Schutz durch Vlies kann bei jungen Exemplaren in exponierten Lagen sinnvoll sein, um die Blätter vor der Wintersonne zu schützen und Blattfall zu verhindern.
Wachstum und Pflege
Im Vergleich zu anderen Kirschlorbeer-Hybriden wächst die portugiesische Lorbeerkirsche moderat und behält eine natürlich-elegante Pyramidenform bei. Ein regelmäßiger Rückschnitt ist für die Verzweigung förderlich, sollte jedoch aufgrund des pilzlichen Infektionsrisikos (z. B. Schrotschusskrankheit) vorzugsweise in trockenen Perioden im Spätfrühjahr erfolgen (Sänger 1884/2010). Die Nährstoffversorgung sollte ausgewogen sein; eine übermäßige Stickstoffdüngung im Spätsommer ist zu vermeiden, da diese das Ausreifen der Triebe verzögert und die Frostempfindlichkeit erhöht (Dirr 2009).
Gestaltung und Einsatz im Garten
Aufgrund ihres dunkelgrünen, glänzenden Laubes und der auffälligen roten Zweige wird Prunus lusitanica bevorzugt als hochwertige Heckenpflanze oder als architektonisches Solitärgehölz eingesetzt. Sie bietet eine mediterrane Ästhetik, die weniger "massiv" wirkt als Prunus laurocerasus. In der modernen Gartenplanung dient sie oft als Hintergrund für weiß blühende Stauden oder als Formgehölz in formalen Gärten, wobei ihre ökologische Bedeutung als späte Bienenweide und Vogelnährgehölz hervorzuheben ist.
Literatur
Dirr, M. A. (2009): Manual of Woody Landscape Plants. Stipes Publishing.
Krüssmann, G. (1978): Handbuch der Laubgehölze. Vol. III. Paul Parey Verlag.
Kunkel, G. (1992): Die Kanarischen Inseln und ihre Pflanzenwelt. Fischer Verlag.
Larcher, W. (2001): Ökophysiologie der Pflanzen. Eugen Ulmer Verlag.
Rolando, C. (2012): Trees and Shrubs for the Southwest. Timber Press.
Sänger, H. (1884/2010): Die Flora der Gärten. Nachdruck/Review ökologischer Gehölzkunde.
Shi, S. et al. (2013): Phylogeny and Classification of Prunus sensu lato. In: Journal of Systematics and Evolution.