Prunus laurocerasus – Kirschlorbeer
Prunus laurocerasus, ein immergrüner Strauch aus der Familie der Rosaceae, ist ursprünglich in Kleinasien und der Balkanhalbinsel beheimatet. Die Art zeichnet sich durch ihre ledrigen, glänzenden Blätter aus, die eine ausgeprägte Cuticula als Schutz gegen Transpiration besitzen (Larcher 2001). Eine botanische Besonderheit sind die extrafloralen Nektarien an der Blattunterseite, die räuberische Insekten anlocken und so einen indirekten Schutz gegen Herbivoren bieten (Pemberton & Turner 1989). Bereits im 16. Jahrhundert durch Clusius in Europa eingeführt, hat sich die Art aufgrund ihrer enormen Schattenverträglichkeit und Regenerationsfähigkeit in vielen Waldökosystemen als Neophyt etabliert (Hegi 1995).
Standort und Pflanzung
Die ökologische Amplitude von Prunus laurocerasus ist bemerkenswert; sie gedeiht sowohl in voller Sonne als auch im tiefen Schatten, wobei die Photosyntheserate unter moderater Beschattung oft am effizientesten ist (Boulay et al. 2014). An den Boden stellt die Art geringe Ansprüche, bevorzugt jedoch mäßig trockene bis feuchte, nährstoffreiche Substrate. Ein pH-Wert im neutralen bis schwach sauren Bereich ist ideal, während extreme Staunässe oder stark kalkhaltige Böden zu Chlorosen führen können (Krüssmann 1986). Die Pflanzung erfolgt idealerweise im Frühjahr oder Herbst, um eine gute Durchwurzelung vor den Temperaturextremen zu gewährleisten.
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Obwohl Prunus laurocerasus als winterhart gilt, variiert die Frosttoleranz je nach Sorte erheblich; viele Kultivare halten Temperaturen bis -20°C stand (Dirr 2009). Das Hauptproblem in Mitteleuropa ist die sogenannte Frosttrocknis (Winterdürre), bei der die Pflanze an sonnigen Frosttagen Wasser über die Blätter verliert, aber kein Wasser aus dem gefrorenen Boden nachliefern kann (Larcher 2001). Junge Pflanzen profitieren daher in exponierten Lagen von einem Vlies, das die direkte Sonneneinstrahlung mindert. Eine ausreichende Bewässerung in frostfreien Perioden des Winters ist essenziell für die Vitalität (Stierlin 2004).
Wachstum und Pflege
Der Kirschlorbeer ist für sein schnelles Wachstum bekannt, das durch eine hohe Stickstoffverfügbarkeit zusätzlich beschleunigt wird. Die Art ist extrem schnittverträglich, was auf die hohe Anzahl schlafender Augen zurückzuführen ist, die nach einem Rückschnitt kräftig austreiben (Krüssmann 1986). In der Pflege sollte beachtet werden, dass alle Pflanzenteile, insbesondere die Samen in den kirschähnlichen Früchten, cyanogene Glykoside wie Amygdalin enthalten, die bei Verzehr Blausäure freisetzen (Frohne & Pfänder 2004). Ein Rückschnitt sollte vorzugsweise mit der Hand- statt der Heckenschere erfolgen, um die großen Blätter nicht zu zerfetzen, was braune Ränder verhindert.
Gestaltung und Einsatz im Garten
Aufgrund der Blickdichte und des ganzjährigen Grüns ist Prunus laurocerasus eines der am häufigsten verwendeten Heckengehölze in Europa. In der modernen Landschaftsgestaltung wird sie zudem als robuster Unterpflanzungsstrauch für hohe Bäume genutzt. Ökologisch wird die Art jedoch kritisch betrachtet: In einigen Regionen gilt sie als invasiv, da sie durch Vogelfraß verbreitet wird und heimische Flora in Wäldern verdrängt (Kowarik 2010). Als Alternative oder in Kombination bieten sich heimische Gehölze wie Ilex aquifolium an, um die Biodiversität zu fördern.
Literatur
Boulay, A. et al. (2014): Photochemistry and leaf traits of Prunus laurocerasus. In: Photosynthetica.
Dirr, M. A. (2009): Manual of Woody Landscape Plants. Stipes Publishing.
Frohne, D. & Pfänder, H. J. (2004): Giftpflanzen: Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wiss. Verlagsgesellschaft.
Hegi, G. (1995): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band IV, Teil 2B. Blackwell Science.
Kowarik, I. (2010): Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Eugen Ulmer Verlag.
Krüssmann, G. (1986): Handbuch der Laubgehölze. Band III. Parey Verlag.
Larcher, W. (2001): Ökophysiologie der Pflanzen. Eugen Ulmer Verlag.
Pemberton, R. W. & Turner, C. E. (1989): Occurrence of predatory and fungivorous mites in leaf domatia. In: American Journal of Botany.
Stierlin, H. P. (2004): Gehölze für den Garten. Haupt Verlag.