Phoenix theophrasti – Kretische Dattelpalme
Die Phoenix theophrasti ist ein seltener Endemit des östlichen Mittelmeerraums und neben Chamaerops humilis die einzige in Europa heimische Palmenart. Ihr Hauptvorkommen liegt auf Kreta, insbesondere am Strand von Vai (Boydack 1987). Im Gegensatz zur Kanarischen Dattelpalme zeichnet sie sich durch einen meist mehrstämmigen Wuchs und silbrig-graue, sehr steife Wedel aus (Dransfield et al. 2008). Sie ist perfekt an temporär feuchte Standorte angepasst, zeigt aber eine hohe Trockenheitstoleranz (Larcher 2001).
Standort und Pflanzung
Diese Palme benötigt Standorte mit maximaler Lichtintensität. Sie bevorzugt gut durchlässige, sandige oder kiesige Böden und toleriert salzhaltige Luft in Küstennähe. Aufgrund der extrem spitzen Fiedern und Dornen sollte sie nicht direkt an Verkehrswegen gepflanzt werden (Uhl & Dransfield 1987). In der Kultur ist sie aufgrund ihres langsamen Wachstums seltener als andere Phoenix-Arten zu finden (Lötschert 2006).
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Phoenix theophrasti gilt als die frosthärteste Phoenix-Art; etablierte Exemplare können Minima von -10°C bis -12°C überstehen (Stähler & Spanner 2007). In Mitteleuropa ist der Schutz vor Winterfeuchtigkeit entscheidend, da sie empfindlich auf Nässe-Frost-Kombinationen reagiert. Ein Regenschutz sowie eine atmungsaktive Umhüllung des Herzens sind bei langanhaltenden Frostperioden essenziell (Walther 2002b).
Wachstum und Pflege
Die Wachstumsgeschwindigkeit ist geringer als bei anderen Dattelpalmen. Ein markantes Merkmal ist die Neigung zur Bildung von Basaltrieben, was zu dichten Gruppen führt. Die Früchte sind ungenießbar und besitzen kaum Fruchtfleisch (Henderson et al. 1995). Die Pflege beschränkt sich auf gelegentliche Wassergaben im Sommer und die Entfernung abgestorbener Wedel unter Beachtung der starken Bewehrung (Lötschert 2006).
Gestaltung und Einsatz im Garten
Aufgrund ihrer Seltenheit ist sie eine begehrte Sammlerpflanze. Sie eignet sich hervorragend zur Akzentuierung von trockenen Hanglagen oder als wehrhafte Gruppenpflanzung. Ihre silbrig-blaue Blattfarbe bildet einen reizvollen Kontrast zu grüner Begleitflora und vermittelt ein authentisches mediterranes Flair.
Literatur
Boydack, S. (1987): Phoenix theophrasti in Crete. In: Principes (IPS).
Dransfield, J. et al. (2008): Genera Palmarum. Kew Publishing.
Henderson, A. et al. (1995): Field Guide to the Palms of the Americas. Princeton Uni. Press.
Larcher, W. (2001): Ökophysiologie der Pflanzen. Eugen Ulmer Verlag.
Lötschert, W. (2006): Palmen. Botanik, Kultur, Nutzung. Eugen Ulmer Verlag.
Stähler, M. & Spanner, T. W. (2007): Winterharte Palmen. Medemia Verlag.
Uhl, N. W. & Dransfield, J. (1987): Genera Palmarum. Allen Press.
Walther, G. R. (2002b): Weakening of climatic constraints. In: Folia Geobotanica.