Trachycarpus princeps – Steinpalme
Trachycarpus princeps gilt als eine der spektakulärsten Neuentdeckungen innerhalb der Gattung in den letzten Jahrzehnten. Die Art ist endemisch für die Kalksteinkliffs des Nu Jiang Flusstals in Yunnan, China. Ihre markanteste Eigenschaft ist die intensive wachsartige Weißfärbung der Blattunterseiten, ein Merkmal, das sie von allen anderen Trachycarpus-Arten unterscheidet (Gibbons & Spanner 1994). Die Erstbeschreibung erfolgte 1995 durch Beccaris Revisionen folgend, wobei die genetische und morphologische Abgrenzung zu T. fortunei durch die spezifische Blattform und die silbrige Pruina unterstrichen wird (Beccari rev. Gibbons et al. 1995).
Standort und Pflanzung
In ihrem natürlichen Habitat wächst T. princeps auf exponierten Kalksteinformationen in Höhenlagen von bis zu 1.800 Metern. Daraus leitet sich eine Präferenz für extrem gut durchlässige, kalkhaltige Substrate ab (Lorenzi et al. 2010). Für die Kultur in Mitteleuropa ist ein vollsonniger bis halbschattiger Platz ideal, wobei Staunässe aufgrund der hochempfindlichen Wurzelstruktur zwingend vermieden werden muss. Die Art zeigt eine höhere Toleranz gegenüber Hitze und Trockenheit als der gemeine T. fortunei, benötigt aber in der Etablierungsphase eine konstante Wasserversorgung (Gibbons 2003).
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
Die Frosttoleranz von Trachycarpus princeps wird in der Literatur oft etwas geringer eingeschätzt als die von T. fortunei, wobei Werte von ca. -12°C bis -15°C als Grenze für etablierte Pflanzen gelten (Stähler & Spanner 2007). Kritisch ist jedoch die Nässeempfindlichkeit des Speers. Während die Pflanze tiefe Temperaturen in trockener Luft gut übersteht, führt winterliche Feuchtigkeit in Kombination mit Frost schnell zu Pilzinfektionen im Vegetationskegel (Franck 2012). Ein Regenschutz ist daher in niederschlagsreichen Gebieten essentiell.
Wachstum und Pflege
Das Wachstum ist, besonders im juvenilen Stadium, deutlich langsamer als bei anderen Vertretern der Gattung (Hodel 1998). Charakteristisch ist der schlanke Stamm und die fast kreisrunden, tief eingeschnittenen Fächerblätter. Eine ausgewogene Düngung mit Fokus auf Mikronährstoffen wie Magnesium ist ratsam, um die charakteristische Blaufärbung zu erhalten. Da die Art in der Natur auf kargen Felswänden siedelt, sollte der Stickstoffanteil im Dünger moderat gehalten werden, um ein zu weiches und damit frostempfindliches Gewebe zu vermeiden (Stähler 2011).
Gestaltung und Einsatz im Garten
Durch die silber-weiße Blattunterseite bietet Trachycarpus princeps einen exzellenten Kontrast in mediterran gestalteten Gärten. Sie wirkt besonders edel in Einzelstellung oder in Kombination mit dunkelgrünen Begleitpflanzen, die das helle Blau der Palme betonen. Aufgrund ihrer moderaten Größe und des langsamen Wachstums eignet sie sich hervorragend für kleinere Gärten oder als langfristige Kübelpflanze auf Terrassen, sofern das Gefäß eine ausreichende Tiefe für die Wurzelentwicklung bietet.
Literatur
Franck, R. (2012): Palms for Northern Gardeners. TP Publishing.
Gibbons, M. & Spanner, T. W. (1994): In Search of Trachycarpus princeps. In: Principes (Journal of the IPS).
Gibbons, M. (2003): A Pocket Guide to Palms. Chartwell Books.
Hodel, D. R. (1998): The Genus Trachycarpus. In: The Palm Journal.
Lorenzi, H. et al. (2010): Flora Brasileira: Arecaceae (Palms). Instituto Plantarum.
Stähler, M. & Spanner, T. W. (2007): Winterharte Palmen. Medemia Verlag.
Stähler, M. (2011): Palmen in Mitteleuropa. Culture and Care. Medemia Verlag.