Das South Hesse Oak Project (SHOP) / Pflanzung von Stein-Eichen im Forst (2011 - jetzt)
Das SHOP-Projekt in Südhessen ist ein wegweisendes Pilotvorhaben im Rahmen des Waldumbaus. Angesichts des schnell fortschreitenden Klimawandels und des großflächigen Sterbens heimischer Baumarten wie der Rot-Fichte (Picea abies) und zunehmend auch der Rot-Buche (Fagus sylvatica), suchen Forstwissenschaftler nach resilienten Alternativen. Hier geben wir einen Überblick über dieses spannende Projekt, das die Zukunft unserer Wälder sichern könnte.
Verantwortliche und wissenschaftliche Begleitung
Es handelt sich um eine Initiative, die aus einer engen Zusammenarbeit zwischen Forstpraxis und Wissenschaft entstanden ist. Hinter dem Projekt stehen maßgeblich:
- Hessen-Forst (Landesbetrieb): Als Initiator und praktischer Umsetzer fungiert vor allem das Forstamt Lampertheim in Südhessen. Da die Region des Hessischen Rieds besonders stark vom Kiefernsterben (Pinus sylvestris) und sinkenden Grundwasserspiegeln betroffen ist, suchte man dort unter der Leitung lokaler Forstexperten nach neuen Wegen für den Waldumbau.
- Wissenschaftliche Begleitung: Dr. Vera Holland ist Biologin (Post-Doc) am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität Frankfurt und leitet seit 2018 das Projekt am Standort Schwanheim. Ihr Fokus liegt dabei auf der Ökophysiologie der Bäume – sie untersucht also, wie die Pflanzen biologisch auf die veränderten Klimabedingungen reagieren.
- Unterstützung durch das Land Hessen: Da der Waldumbau eine politische Priorität hat, wird das Projekt durch Mittel des hessischen Bildungsministeriums gefördert (Programm LOEWE – Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz).
Die Rolle des Forstamtes Lampertheim
Das Forstamt Lampertheim gilt als das „Labor“ für dieses Projekt. Hier wurden die ersten größeren Versuchsflächen angelegt, da das dortige Klima (sehr warm, sandige Böden) dem natürlichen Habitat der Stein-Eiche (Quercus ilex) im Mittelmeerraum am nächsten kommt.
Die Motivation - ein Wald für das Klima von morgen
Das Ziel des SHOP-Projekts ist es, die standortfremde Stein-Eiche sowie die heimischen Baumarten Stiel-Eiche (Quercus robur) und Flaum-Eiche (Quercus pubescens) in Vergesellschaftung als feste Größe in den hessischen Wäldern zu testen. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, bringt die Stein-Eiche Eigenschaften mit, die sie zum idealen Kandidaten für die zunehmend trockenen und heißen Sommer in Südhessen machen. Warum gerade die Stein-Eiche? Trockenresistenz: Sie benötigt deutlich weniger Wasser als die heimische Stiel-Eiche oder Buche. Immergrün: Als immergrüner Laubbaum kann sie auch in milden Wintern Photosynthese betreiben. Tiefwurzler: Sie erreicht tiefer liegende Wasservorräte und stabilisiert den Boden.
Projektstandorte und Umsetzung
In Südhessen wurden spezifische Versuchsflächen ausgewählt, die besonders unter dem Absinken des Grundwasserspiegels und hohen Temperaturen leiden (zum Beispiel im Bereich des Hessischen Rieds oder am Rand des Odenwalds). Pflanzung: Tausende junge Steineichen wurden in Gruppen ausgebracht. Monitoring: Wissenschaftler überwachen das Wachstum, die Frosthärte in kalten Winternächten und die Resistenz gegen heimische Schädlinge. Schutzmaßnahmen: Da das junge Grün bei Reh- und Schwarzwild sehr beliebt ist, sind die Flächen meist durch Zäune oder Einzelschutzmaßnahmen gesichert.
Herausforderungen und Chancen
Obwohl die Steineiche vielversprechend ist, ist das Projekt nicht ohne Risiken. Die größte Hürde in Deutschland ist nicht die Hitze, sondern extremer Spätfrost. Junge Steineichen sind empfindlich gegenüber zweistelligen Minusgraden, wenn diese abrupt nach einer milden Phase auftreten.
Das Projekt als ein Mosaikstein des Waldumbaus
Das SHOP-Projekt ist kein Versuch, die Buche komplett zu ersetzen, sondern den Wald durch Biodiversität krisenfest zu machen. Die Steineiche soll als "Mischbaumart" das Risiko verteilen. Wenn die heimischen Arten unter dem Stress kollabieren, steht mit der Steineiche ein "Backup" bereit, das das Waldökosystem und das Mikroklima aufrechterhält. Wussten Sie schon? Die Steineiche kann mehrere hundert Jahre alt werden und bietet mit ihren Eicheln eine wertvolle Nahrungsquelle für viele Waldtiere, ähnlich wie unsere heimischen Eichen.