Rekonstruktion des Bergnebelwaldes am Südrand des Valle Central - Costa Rica


IV. Beschreibung der Projektfläche

Das Projektgebiet liegt auf etwa 1.800 m Höhe am Höhenrücken des Alto Indias, der eine exponierte Wetter- und Wasserscheide zwischen Pazifik und Karibik darstellt. Die maximale Höhe des Bergrückens liegt bei 2.100 m. In diesem topografisch markanten Übergangsbereich vom dicht besiedelten Valle Central zum Nationalpark Cordillera Talamanca finden sich bedeutende Spuren der Geschichte: Die Ostgrenze der Finca markiert ein präkolumbischer Hohlweg – ein Überrest jenes antiken Handelsnetzes, das einst als „indianische Interamericana“ die Kulturen Mittel- und Südamerikas verband.

In der geschützten Senke befand sich bis in das 18. Jahrhundert hinein eine kleine indianische Ansiedlung, die aus wenigen Hütten bestand. Funde von Dachziegeln und Keramik unterhalb einer Ascheschicht deuten darauf hin, dass die Siedlung möglicherweise nach dem großen Ausbruch des Vulkans Irazú im Jahr 1723 aufgegeben wurde oder aufgrund anderer Ursachen niedergebrannt ist. Der zerstörte Siedlungsbereich wurde danach durch einer circa 30 cm mächtigen Bodenschicht bedeckt (sogenanntes Kolluvium). Das Material entstammte dem abgespülten Oberboden der umliegenden Hänge. Es ist wahrscheinlich, dass diese Erosion durch großflächige Rodung in Verbindung mit starken Regenfälle in den Regenzeiten ab der Mitte des 18. Jahrhunderts verursacht wurde.

Das Renaturierungsprojekt wurde 1994 von Bernd und Monika Lisek gestartet, die das ehemals als Viehweide genutzte Land kauften und es „El Zorrito“ (wörtlich übersetzt 'Kleiner Fuchs') nannten – nach einem Fuchs, den sie dort sahen.

In den ersten Jahren wohnten die Liseks mit im Haus der Familie Serrano-Calderón im 400 m tiefer gelegenen Dorf Higuito. Später errichteten sie eine Hütte im unteren Teil der Finca und legten daneben einen kleinen Garten mit Nutzpflanzen an. Erst durch zahlreiche Versuche konnten sie Pflanzen ermitteln, die auch im Nebelwaldklima Erträge bringen.

Blick auf die Finca
Ansicht der Finca El Zorrito von Norden aus im Jahr 1994
(Quelle: Lisek)

Geländemorphologisch gliederte sich die ehemalige Weidefläche damals wie folgt:

  • Der Ostteil: Ein steiler Nordhang, der ehemals intensiv als Rinderweide genutzt wurde.
  • Der Mittelteil: Geprägt durch einen Wasserriss, der in ein Sumpfgebiet im Norden übergeht und nach Osten in ein Bachtal entwässert.
  • Die Passhochfläche: Der höchste Teil im Norden bildet einen Übergang zum westlich gelegenen Tal.
  • Der Westteil: Ein tief eingeschnittenes, Nord-Süd verlaufendes Bachtal. Obwohl auch dieser Bereich einst gerodet worden war, präsentierte er sich bereits zu Beginn des Renaturierungsprojekts im Jahr 1994 als artenreicher Sekundärwald.