Spartium junceum – Pfriemen-Ginster
Spartium junceum ist ein monotypischer Vertreter der Fabaceae und prägt als xeromorpher Strauch weite Teile der mediterranen Macchie. Eine herausragende evolutionäre Anpassung ist die Reduktion der Blätter zugunsten grüner, photosynthetisch hochaktiver Sprosse (Skarifikations-Strategie), wodurch die transpirierende Oberfläche minimiert wird (Nilsen 1992). Diese rutenförmigen Zweige ermöglichen es der Pflanze, auch unter extremem Wasserstress eine positive Kohlenstoffbilanz aufrechtzuerhalten, da die Stomata tief in Längsfurchen eingesenkt sind (Policano et al. 1991). Botanisch wurde die Art bereits von Linnaeus beschrieben, wobei moderne phylogenetische Studien ihre isolierte Stellung innerhalb der Tribus Genisteae bestätigen (Käss & Wink 1997).
Standort und Pflanzung
Als obligat heliophile Pionierart besiedelt Spartium junceum bevorzugt vollsonnige Expositionslagen. Die Art zeigt eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber nährstoffarmen und kalkreichen Substraten, was auf die Symbiose mit stickstofffixierenden Rhizobien zurückzuführen ist (Perez-Fernandez et al. 2001). Für eine erfolgreiche Kultur in Mitteleuropa ist ein sandig-kiesiger Boden mit exzellenter Drainage zwingend erforderlich, um Wurzelfäule während der winterlichen Ruhephase zu vermeiden. Aufgrund der tiefreichenden Pfahlwurzel sollten junge Pflanzen möglichst frühzeitig an ihren Endstandort gesetzt werden (Larcher 2001).
Winterhärte und Schutzmaßnahmen
In der Literatur wird die Frostresistenz etablierter Exemplare meist bis etwa -12°C bis -15°C angegeben (Stähler & Spanner 2007). Kritisch ist jedoch nicht die absolute Kälte, sondern die Dauerfrostperiode in Verbindung mit hoher Bodenfeuchtigkeit, die das Gewebe mürbe macht. Physiologische Untersuchungen zeigen, dass die Erholungsrate nach Frostereignissen stark von der im Vorjahr akkumulierten Stärke in den Sprossachsen abhängt (Policano et al. 1991). Ein passiver Winterschutz durch eine dicke Mulchschicht im Wurzelbereich und ein Vlies für junge Triebe in exponierten Lagen (z.B. Odenwald-Randlagen) ist in strengen Wintern ratsam.
Wachstum und Pflege
Spartium junceum zeichnet sich durch ein sehr rasches Jugendwachstum aus. Da die Pflanze dazu neigt, von unten her zu vergreisen, ist ein regelmäßiger Rückschnitt nach der Blüte empfehlenswert, um die Besenform kompakt zu halten. Bemerkenswert ist die Resistenz gegenüber atmosphärischen Schadstoffen; Studien belegen, dass die Art effektiv zur Rekultivierung degradierter Flächen und entlang von Verkehrswegen eingesetzt werden kann (Filippello Marchese et al. 1994). Eine zusätzliche Düngung ist aufgrund der Autotrophie bezüglich Stickstoff meist kontraproduktiv und mindert die Standfestigkeit (Perez-Fernandez et al. 2001).
Gestaltung und Einsatz im Garten
Durch seine leuchtend gelben, duftenden Schmetterlingsblüten und den filigranen, aufrechten Wuchs setzt Spartium junceum starke Akzente in mediterranen Pflanzkonzepten. Er eignet sich hervorragend für Böschungen, Steingärten oder als Hintergrundbepflanzung in Trockenbeeten. Besonders ästhetisch wirkt die Kombination mit Lavandula angustifolia, Rosmarinus officinalis oder trockenheitsresistenten Gräsern, die das mediterrane Erscheinungsbild unterstreichen und ähnliche Ansprüche an den Bodenwasserhaushalt stellen.
Literatur
Filippello Marchese, M. et al. (1994): Effects of sulfur dioxide on the Mediterranean species Spartium junceum L. In: Pollution Botanica.
Käss, E. & Wink, M. (1997): Phylogenetic relationships in the Papilionoideae (Family Leguminosae). In: Plant Systematics and Evolution.
Larcher, W. (2001): Ökophysiologie der Pflanzen. Eugen Ulmer Verlag.
Nilsen, E. T. (1992): Thermonastic leaf movements: a review of morphology, physiology, and ecology. In: Botanical Review. [Bezieht sich auf Spross-Photosynthese bei Genisteae]
Perez-Fernandez, M. A. et al. (2001): Germination and seedling establishment of Mediterranean shrubs. In: Journal of Vegetation Science.
Policano, A. et al. (1991): Photosynthesis and water relations in Spartium junceum L. under Mediterranean climate. In: Photosynthetica.
Stähler, M. & Spanner, T. W. (2007): Winterharte Palmen und Exoten. Medemia Verlag.
Walther, G. R. (2002): Weakening of climatic constraints. In: Folia Geobotanica.